MEMORANDUM                         

 

Geschichte der Beziehungen zwischen dem G.P.D.G. und der G.L.N.F.


Auch hier müssen wir die hervorstechendsten Ereignisse anmerken :

7. Juli 1958: auf Grund eines Abkommens, das zwischen dem G.P.D.G. und der G.L.N.F. geschlossen wurde, akzeptiert das G.P.D.G. den Zusammenschluss seiner Rektifizierten Großloge mit der G.L.N.F.

21. Oktober 1965: ein Zusatz zum Abkommen legt fest, dass die Schottischen Logen von Sankt Andreas, die bis dahin von einem unabhängigen Direktorium verwaltet wurden, direkt dem G.P.D.G. unterstehen.

10. Januar 1984: Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung des Großmeisters der G.L.N.F. Jean Mons und des Nationalen Großmeisters und Großpriors Daniel Fontaine, die " das brüderliche Bündnis zwischen den zwei Jurisdiktionen " auf der Grundlage des Abkommens von 1958 erneut bestätigt.

21. Januar 1991: Austausch eines " zusammenfassenden Dokuments " zwischen dem Großmeister der G.L.N.F. André Roux und dem Nationalen Großmeister/Großprior Daniel Fontaine, das von einer gemeinsamen Kommission G.L.N.F./G.P.D.G. ausgearbeitet wurde. Der Großmeister André Roux drückt seine Zufriedenheit über die getane Arbeit aus und fügt hinzu: " Ich bestätige Ihnen, dass ich dem Großsekretär Yves Trestournel Anweisung gebe, mit Ihrer Hilfe die Tätigkeiten der Bildungsloge Jean de Turckheim aufzunehmen " (Brief vom 23. Januar).

Dezember 1992: Wahl von Claude Charbonniaud zum Großmeister der G.L.N.F.; er hatte zuvor den Großmeister André Roux vertreten, der im Januar 1992 nach einem Unfall verstorben war.

September 1996: Offizieller Besuch vom Großmeister Claude Charbonniaud beim Großen Kapitel von Saint Michel, Ordensfest im Großpriorat von Gallien. Bei dieser Gelegenheit gibt der Großmeister und Großprior Daniel Fontaine seiner Freude Ausdruck, dass ein C.B.C.S. Großmeister der G.L.N.F. ist, und bekräftigt seinen Wunsch, ein vertrauensvolles Verhältnis mit ihm zu unterhalten. Die Beziehungen scheinen von da an unter besseren Auspizien zu stehen.

Zuvor war im April 1996 mit Zustimmung der beiden Großmeister ein Vermittlungsausschuss gebildet worden, der aus den Rittern Jean-François Var und Jean-Claude Tardivat vom G.P.D.G. und den Brüdern Claude Mallo und Jean-François Berthon von der G.L.N.F. bestand. Im Sinne des G.P.D.G. ging es darum, die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, die durch die Nichtachtung von Klauseln des Abkommens von 1958 seitens der G.L.N.F. entstanden waren, das heißt, es ging um die Leitung der Logen in Übereinstimmung mit dem Freimaurerkodex der Wiedervereinigten und Rektifizierten Logen von 1778 und die gewissenhafte Respektierung der vom G.P.D.G. gebilligten Rituale.

Aber die Existenz dieser Kommission stellte sich schnell als eine Täuschung heraus, denn alle von der Delegation des G.P.D.G. gemachten Eingaben stießen auf systematische Ablehnung seitens der Delegation der G.L.N.F. und ihres Großmeisters. Der Ausschuss überlebte mühsam zwei Jahre, ohne zu irgendeinem Resultat zu kommen.

6. Februar 1995: Der Großmeister und Großprior Daniel Fontaine sendet ein Schreiben mit dem Briefkopf der VEREINIGTEN ORDEN an den Großmeister Claude Charbonniaud, in dem er ihn über das Projekt der Konstitution eines französischen Kapitels der Rosenkreuzer durch den niederländischen Orden der hohen Grade in Kenntnis setzt ebenso wie über dessen Erteilung eines Patents, die französischen Hohen Grade regulär in Frankreich auszuüben, und besonders denjenigen der Rosenkreuzer.

14. Februar 1995: Der Großmeister Claude Charbonniaud antwortet, dass dieses Ereignis, " das nur wohltuende Wirkungen haben wird ", ihn erfreut, dass er allerdings keine Befugnis habe, " über diese Feststellung und diesen Wunsch hinauszugehen ".

In völligem Widerspruch dazu gibt der Großmeister Claude Charbonniaud vier Jahre später am 9. Februar 1999 sein Einverständnis zu einem Protokoll über die Ausübung der Hohen Grade des Französischen Ritus, das bis dahin heimlich zwischen der G.L.N.F. und dem Großen Französischen Kapitel unter der Leitung des Bruders Roger Girard vereinbart worden war. Er informiert nicht das Große Kapitel der Hohen Grade des Französischen Ritus des G.P.D.G., welches dies erst im Nachhinein aus den G.L.N.F. ­ Actualités erfährt. Das G.P.D.G. zeigt keine öffentliche Reaktion, um keine Spannungen aufkommen zu lassen. Die folgenden Ereignisse zeigen, dass es ein Fehler war, nicht zu protestieren.

16. Dezember 1999: Der Großmeister und Großprior der G.P.D.G. ­ Vereinigte Orden informiert den Großmeister der G.L.N.F. über die Erteilung eines Patents des Tempelordens (Knights Templar) seitens des Großpriorats von Schottland, das zu demjenigen des Malteserordens hinzukommt, welches das Großpriorat von England und Wales erteilt hatte. In diesem Schreiben schlägt der Großmeister und Großprior Daniel Fontaine dem Großmeister Claude Charbonniaud ein Treffen vor, um gemeinsam die Möglichkeit zu untersuchen, den Mitgliedern der Arche Royale die Türen dieses Ordens zu öffnen, wie es in Schottland, England und allen angelsächsischen Ländern die Regel ist.

Einige Tage später antwortet der Großmeister Claude Charbonniaud in einem undatierten Brief, in dem er sich die Frage nach der Bezeichnung " VEREINIGTE ORDEN " stellt ­ die er nach sieben Jahren zu entdecken scheint! ­ und nach der Existenz des im G.P.D.G. praktizierten Hohen Grades des Französischen Ritus, wobei er über das vom Großpriorat Schottland erteilte Patent erstaunt ist. Dieses Schreiben erwähnt ausdrücklich und zum ersten Mal in Form eines Vorwurfs einen " Expansionismus ", der mit dem " Geist der Vereinbarungen " von 1958 und 1984 nichts zu tun habe.

7. Februar 2000: Der Großmeister und Großprior des G.P.D.G.- VEREINIGTE ORDEN bringt in einem Antwortbrief an den Großmeister der G.L.N.F. eine Richtigstellung bezüglich des Patents der Knights Templar und erinnert auch an das auf der Konferenz der Großmeister in Stockholm erneut bestätigte Prinzip der Nichteinmischung der Großlogen in die Angelegenheiten, die in den Kompetenzbereich der Großpriorate gehören.

10. Februar 2000: Der Großmeister der VEREINIGTEN ORDEN antwortet ebenfalls dem Großmeister der G.L.N.F. bezüglich der Konstitution seines Großen Kapitels der Hohen Grade des Französischen Ritus und der Bezeichnung " VEREINIGTE ORDEN " und erinnert ihn dabei an den Briefwechsel von Februar 1995.

Diese zwei Schreiben blieben unbeantwortet.

Aber : Am 23. Februar 2000 verschickt das Erste Große Oberhaupt der Arche Royale für Frankreich Claude Charbonniaud eine Note, in der er mitteilt, dass er den Mitgliedern seiner Kapitel untersagt ist, " den Grad der Knights Templar " auf französischem Staatsgebiet auszuüben.
Und : Am 23. März 2000 bestätigt eine Mitteilung des Großmeisters Claude Charbonniaud auf Papier mit dem Briefkopf der G.L.N.F., gerichtet an die Großmeister in den Provinzen - mit dem Auftrag, die Mitteilung in allen Logen zu verteilen ­ dass das Französische Großkapitel, mit dem die G.L.N.F. das Protokoll von 1999 (das von R.Girard) vereinbart hat, die einzig anerkannte Obrigkeit ist, die von der Obedienz anerkannt wird, an die sich die Mitglieder anschließen können, um die Hohen Grade des Französischen Ritus in ihrer Gesamtheit zu praktizieren.

Ende März 2000: Allen Mitgliedern des G.P.D.G. wird eine EPITOME zugeschickt, welche die neuen bei der Hauptversammlung vom 29. Januar 2000 verabschiedeten Strukturen des Ordens erklärt. Es wird daran erinnert, dass die Ausübung des Grades des Tempelritters von den Mitgliedern der Arche Royale nicht ohne die Zustimmung ihrer Autoritäten stattfindet.

28. April 2000: Der Großmeister Daniel Fontaine schreibt an den Großmeister Claude Charbonniaud und bittet ihn um ein Treffen, um das Klima von Verständnislosigkeit auszuräumen, das sich zwischen den beiden Jurisdiktionen eingerichtet zu haben scheint. Dieser Brief bleibt unbeantwortet.

6. Juni 2000: Der Großkanzler der VEREINIGTEN ORDEN Serge Florence schreibt dem Großsekretär der G.L.N.F. Yves Trestournel, um ihm die Schaffung eines paritätischen Vorbereitungskomitees vorzuschlagen mit dem Ziel einer Vereinbarung, welche es den Gesellen der Arche Royale, die ihre spirituelle Entwicklung logischerweise fortsetzen wollen, ermöglicht, zum Tempelorden und Malteserorden zu gelangen. Dieser Brief blieb ebenfalls unbeantwortet.

10. Mai 2000: In einem Brief an den Großmeister und Großprior des G.P.D.G.- VEREINIGTE ORDEN gibt der Großmeister und Großprior von Togo Richard Attiopoe seiner Erschütterung über Äußerungen des Bruders Yves Trestournel anlässlich der Jahreshauptversammlung der Großloge der Elfenbeinküste Ausdruck. Der Großsekretär der G.L.N.F. hat vor allen anwesenden afrikanischen Großmeistern und Würdenträgern erklärt, dass " es ein Skandal ist, die Afrikaner den Rektifizierten ausüben zu sehen ". Er ist heftig gegen den christlichen Charakter des Ritus zu Felde gezogen und hat darauf bestanden, dass " die Sklaverei, das Werk von Christen, von den Freimaurern abgeschafft wurde ", ohne dass der anwesende Großmeister Claude Charbonniaud protestiert hätte. Diese Äußerungen hatten eine scharfe Antwort des Großmeisters und Großpriors Richard Attipoe zur Folge.

23.Mai 2000: Der Großmeister Daniel Fontaine adressiert ein Schreiben an den Ehrwürdigen Meister der Nationalen Bildungsloge ­ Jean de Turckheim Joël Pontet mit der Bitte, dem Bruder Jean-Pierre Pilorge, Großmeisterassistent der G.L.N.F. und verantwortlich für Bildung und Kommunikation, über den Bericht von dem Treffen der Provinzialloge für Bildung ­ Jean de Turckheim ­ Alpes Méditerranée vom 28.März 2000 zu informieren. Dieser Bericht war von ihrem Ehrwürdigen Meister Michel Ducas erstellt und am 9. Mai 2000 mit dem Stempel der Provinzialgroßloge Alpes-Méditerrannée versehen verschickt worden. Dort wird verfügt, dass es von nun an obligatorisch sei, " den Begriff 'christlich' zu streichen, da unsere Logen allen freien und gut gesitteten Männern offen stehen ".
Der Brief des Bruders Joël Pontet ist unbeantwortet geblieben.

13. Juni 2000: " Entscheid" der G.L.N.F.: Aufkündigung der Vereinbarungen mit dem G.P.D.G.

20. Juni 2000: Großmeister Daniel Fontaine ficht in einem Einschreibebrief an Großmeister Claude Charbonniaud den " Entscheid" vom 13. Juni an, sowohl was seine Form als auch seinen Inhalt betrifft und teilt ihm mit, dass die G.L.N.F. durch den Bruch mit den Vereinbarungen von 1958 in Eigenverantwortung auf das Recht verzichtet, die Lehrlings-, Gesellen- und Meistergrade des Rektifizierten Ritus zu praktizieren, die sie bis jetzt nur vermittels Delegation besaß.

Sicherlich macht das Verzeichnis dieser aufeinanderfolgenden Schreiben den geschichtlichen Abriss schwerfälliger: Es geht lediglich darum, die Beweise dafür zu erbringen, dass die Anschuldigungen gegen den G.P.D.G lügenhaft sind, und dass die Argumentation des G.P.D.G. in keinster Weise auf Gerüchte gründet, sondern im Gegenteil durch real Geschriebenes und erwiesene Tatsachen bescheinigt wird.

 FESTSTELLUNGEN

Der Rektifizierte Schottische Ritus hat seit seiner Schaffung unablässig seinen christlichen Charakter versichert, der keineswegs darin besteht, andere auszuschließen, sondern im Gegenteil in seinem Schoße all diejenigen zu sammeln, für die Christus tatsächlich der Sohn Gottes ist. In unseren Orden, der " christlich ist " und der einen " Treueid " gegenüber der Heiligen Christlichen Religion ablegen lässt, diejenigen aufzunehmen, die sich zu einer Religion bekennen, welche dieses fundamentale Prinzip des Ritus nicht anerkennt, würde bedeuten, sie dazu zu verleiten, ihre Religion zu schmähen, was unwürdig wäre.
Der Rektifizierte Schottische Ritus hat nie den Anspruch gehabt, der einzige freimaurerische christliche Ritus zu sein; aber unter Berücksichtigung seiner doktrinären Besonderheit, die in einem christlichen Initiationsesoterismus besteht, ist er der Ansicht, eine Bereicherung für die weltweite Freimaurerei zu sein.
Das G.P.D.G., Träger und Bewahrer des Rektifizierten Schottischen Ritus in Frankreich, hat die Aufgabe, ihn gegen alle hinterhältigen oder brutalen Versuche davor zu schützen, entstellt zu werden und dadurch seine wahre Essenz zu verlieren und schließlich ganz zu verschwinden. Diese Aufgabe wird in der Darlegung der Motive für das Abkommen von 1958 erneut bestätigt. Deshalb erhebt letzteres die Achtung des freimaurerischen Kodex von 1778 und die vom G.P.D.G. gebilligten Ritualien durch die G.L.N.F. zum Prinzip.
Die Einmischung, die dem G.P.D.G. in dem " Entscheid " vom 13. Juni vorgeworfen wurde, bestand seitens des G.P.D.G. nur in der Mahnung an den Respekt des von der G.L.N.F. so oft verletzten Wortlauts und " Geistes " des Abkommens. Die Claude Charbonniaud vorangegangenen Großmeister, insbesondere Jean Mons und André Roux, hatten, was sie betraf, guten Willen gezeigt, was allerdings ergebnislos blieb. Die vom G.P.D.G. begrüßte Ankunft eines C.B.C.S. als Großmeister der G.L.N.F., insofern sie ein Ende der Schwierigkeiten erwarten ließ, hat sie im Gegenteil dramatisch vergrößert !

Es ist höchste Zeit die verschiedenen von der G.L.N.F. vorgebrachten Vorwürfe zu kommentieren, wobei wir uns auf den " Entscheid " vom 13. Juni stützen.

Expansionismus

ß In ihrem undatierten Schreiben Ende 1999 tut die G.L.N.F. so, als entdecke sie, was sie seit mehreren Jahren längst wusste: Die seit sieben Jahren geltende Titulatur der VEREINIGTEN ORDEN, die hierin den meisten der anderen Großpriorate ähnlich ist!

ß In demselben Schreiben gibt die G.L.N.F. vor, von der Existenz des Großen Kapitels der Hohen Grade des Französischen Ritus überrascht zu sein, obwohl sie sich in dem Schreiben ihres Großmeisters vom 6. Februar 1995 darüber " gefreut " hat!

ß Die G.L.N.F. hat sich nicht einmal darum bemüht, das G.P.D.G. über ihren Beschluss zu informieren ­ außer der Veröffentlichung des Protokolls in den G.L.N.F.-Actualités im Februar 1999 ­, sich mit einem anderen Großen Französischen Kapitel zu vereinen, das keinerlei internationale Anerkennung besitzt. Sie zeigt so, dass sie das ältere Kapitel des G.P.D.G. verschmäht, das sie fünf Jahre zuvor mit " Wohlwollen " begrüßt hatte!

ß Weiter in dem selben undatierten Schreiben fragt die G.L.N.F., mit welchem Recht die G.P.D.G. ein Patent der Knights Templar erhalten hat, obwohl sie keinerlei Zuständigkeit für das besitzt, was in den ausschließlichen Bereich der Großpriorate fällt!

Vielleicht zügelt die Tatsache, alles was christlich ist, zu versammeln, den Expansionismus der G.L.N.F.! Der G.P.D.G. jedoch Expansionismus vorzuwerfen ist lächerlich. Tatsächlich bestehen die zwei Kapitel der Hohen Grade des Französischen Ritus aus ungefähr 30 von den 1200 Mitgliedern, welche das G.P.D.G. heute zählt! Ebenso setzt sich die bis heute einzige Präzeptorie der Tempelritter lediglich aus etwa zwanzig Mitgliedern zusammen. Soll das Expansionismus bedeuten?
Was soll man hingegen von dem Wuchern der jährlich neu geschaffenen Kapitel seitens dieses Französischen Großkapitels halten, das sich der G.L.N.F.-Politik der Massenrekrutierung unterworfen hat? !

Autonomismus und Isolationismus:

Es wäre richtiger, zu sagen, dass die G.L.N.F. seit vielen Jahren alles dafür getan hat, um zu versuchen, den Rektifizierten Schottischen Ritus zu isolieren und zu entstellen, indem sie sich trotz der Erklärungen von 1984 nicht an die Vereinbarungen von 1958 gehalten hat. Sie hat versucht, ihn durch die Gründung von Logen zu verwässern, die vom Rektifizierten nur den Namen tragen und von Brüdern zusammengesetzt sind, die das Rektifizierte nicht kennen. Weiterhin haben ihre feindseligen Erklärungen gegenüber seiner christlichen Besonderheit zugenommen, darunter die altbekannten Beschuldigungen des " Sektarismus " und des " Integrismus ", ganz zu schweigen von den Demütigungen, ja sogar Strafen, denen die Mitgliedern der G.P.D.G. ausgesetzt wurden.
Sind unsere internationalen Beziehungen und unsere Zusammenarbeit mit allen Großprioraten ein Zeichen von Isolationismus?
Muss der Wunsch, andere christliche Riten aufzunehmen als bewusster Wille zum Autonomismus aufgefasst werden?
Inwiefern kann die Bereicherung einer Obedienz durch einen Ritus, der gleichzeitig durch seine Besonderheit und seine internationale Ausstrahlung gekennzeichnet ist, der Einheit und dem Zusammenhalt dieser Obedienz schaden?

Einmischung in die drei ersten Grade:

Wer mischt sich worin ein?

Die G.L.N.F. hat versucht, uns unser Konsekrationsritual der Schottischen Logen von Sankt Andreas zu untersagen: Ist das etwa keine Einmischung?
Die hochgestellten Verantwortlichen der G.L.N.F. - in der Nationalloge für Forschung Villard de Honnecourt, in der Provinzialloge für Bildung Jean de Turckheim d'Alpes-Méditerranée und anderswo - verkünden, dass jeder christliche Vermerk in den Ritualen gestrichen werden muss, für welchen das G.P.D.G., gemäß dem Wortlaut der gemeinsamen Erklärung von 1984, welche die Konvention von 1958 bestätigt, der "Garant der Authentizität" ist; (diese Rolle wurde im Januar 1991 vom Großmeister André Roux neu bestätigt): ist dasetwa keine Einmischung?
Die öffentlichen Attacken in Afrika gegen die Rektifizierten Großpriorate: ist das etwa keine Einmischung?
Dagegen gehen die Konvention von 1958, der Zusatz von 1965 und die gemeinsame Erklärung von 1984 von dem Prinzip aus, dass das G.P.D.G. der Garant des Rektifizierten Schottischen Systems ist und dass es die Pflicht hat, für die Wahrung seiner Authentizität im Rahmen der dem G.L.N.F. zugestandenen Delegierung Sorge zu tragen. Alle Texte sind von den aufeinanderfolgenden Großmeistern akzeptiert und unterzeichnet worden. Will der Großmeister Charbonniaud die Unterschrift seiner Vorgänger verleugnen?

Feindselige Äußerungen gegenüber der G.L.N.F.:

Sicher, als Reaktion auf feindliche oder sogar verleumderische Stellungnahmen seitens bestimmter Verantwortlicher der G.L.N.F. und auf die immer zahlreicheren Demütigungen haben einige Mitglieder des G.P.D.G. in einigen Sitzungen eine wohl erklärliche Gereiztheit zum Ausdruck gebracht, aber nie öffentlich, während Provinzial-Großmeister mitten in den Provinzialversammlungen das G.P.D.G. wild angegriffen haben!
Aufgrund der seit Jahren wiederholten Bitten um Verständigung sind sich die Instanzen des G.P.D.G. dieser Sache bewusst geworden und haben etliche Male ihren Wunsch zur Versöhnung ausgedrückt; allerdings sind alle ihre Versuche dahingehend unbeantwortet geblieben.
Dazu ist anzumerken, dass seltsamerweise kurz vor dem Beschluss zum Bruch der G.L.N.F. eine konzertierte Aktion durchgeführt worden ist: All diejenigen, die an der Spitze des irregulären Französischen Großen Kapitels stehen haben gleichzeitig an das G.P.D.G. geschrieben, um ihm ihren Entschluss mitzuteilen "weder die Autorität des G.P.D.G. noch die der Vereinigten Orden weiterhin anzuerkennen", wobei alle bekanntgaben, dass sie weiterhin den Rektifizierten ausüben würden.
Zur gleichen Zeit sind diejenigen aus dem G.P.D.G. ausgeschieden, die sich einige Zeit später an der Spitze eines allerdings blutleeren "ektoplasmischen" "National-Direktoriums" befanden. Und alle haben die selben Vorwürfe vorgebracht wie einige Tage danach die G.L.N.F.

KONSEQUENZEN

Die gegenwärtige Lage

Durch seinen unverantwortlichen Entscheid vom 13. Juni 2000 hat der Großmeister der G.L.N.F. bei allen Freimaurern und nicht nur den Rektifizierten - Betroffenheit und Verwirrung ausgelöst, was der weltweiten Freimaurerei abträglich ist.
Die G.L.N.F. ist unfähig, greifbare Beweise für ihre Anschuldigungen zu bringen, die ihren Entscheid vom 13. Juni 2000 motivieren.
Der Großmeister der G.L.N.F. hat diese in eine nach dem Zivilrecht und dem Freimaurerrecht unstatthafte Situation gebracht..
Durch die auf ihre Initiative zurückgehende Schaffung eines künstlichen Direktoriums und eines angeblich regulären (sic) Großpriorats verstößt die G.L.N.F. gegen das internationale Prinzip eines einzigen Großpriorats pro Land, ein Prinzip, welches auf der vierten Konferenz der Großmeister in Stockholm 1997 erneut bekräftigt wurde.
Dadurch beraubt die G.L.N.F. die Rektifizierten Freimaurer der drei ersten Grade des spirituellen Hauches, die nur in der Vollkommenheit eines kohärenten Systems erteilt werden können, und hindert sie gleichzeitig daran, ihre vollständige Initiation durchzuführen.

Zukunftsperspektiven:

Das Rektifizierte Schottische System hat seit seiner Gründung bis heute stets seine starke spirituelle Identität bewahren können. Diese Stärke hat es ihm immer wieder erlaubt, Angriffe zu überleben und sogar wie Phönix, der es symbolisiert und verkörpert, wiederaufzustehen, während es in den Augen aller für immer verschwunden war.
Das Großpriorat von Gallien, Träger und Garant des Systems in Frankreich - wie es jedes Großpriorat, angefangen bei dem Unabhängigen Großpriorat von Helvetien, in seinem eigenen Land ist, hat die Pflicht, diese Identität zu bewahren und zu verteidigen. Es hat diese Aufgabe stets erfüllen können, manchmal (wie heute) zum Preis schwerer Opfer.
Die Wahrung dieser Identität hat nichts mit sterilem und sektiererischem Isolationismus zu tun. Es geht allein darum, den Brüdern, die diesen spirituellen und initiatorischen Weg wählen, die Möglichkeit zu bieten, ihn ohne Abweichung, ohne Verarmung zu verfolgen, in der Vollkommenheit und Vollständigkeit seiner Doktrin und seiner freimaurerischen und ritterliche Grade.
Das Rektifizierte Schottische System hat nicht die Berufung zu teilen, sondern die Berufung, die christliche Familie im Schoße der freimaurerischen Brüderlichkeit zu vereinen. Es hat die Berufung, auszustrahlen, eine Quelle von Licht und Liebe zu sein - Liebe zu Christus, verkörperter Gott und zu den Menschen in Christus.
Das Bestehen eines starken, wohltätigen und brüderlichen Rektifizierten Schottischen Systems - und Ritus - kann für die Gesamtheit der gottgläubigen Freimaurer nur günstig sein. Die Freimaurerei des Rektifizierten Schottischen Ritus zu berauben würde sie sehr viel ärmer machen!
Das Großpriorat von Gallien wünscht deshalb und handelt dahingehend, dass die gegenwärtige und zukünftige Führung der G.L.N.F. ihre ungerechten, abwegigen und unerhörten Beschlüsse widerruft, die gegen die Vernunft, gegen das Recht und zugleich gegen das wohlverstandene Interesse der gesamten Freimaurerei verstoßen.

Aber es ist völlig klar, dass die Zukunft niemals wieder wie die Vergangenheit sein kann. Mithilfe einer soliden gegenseitigen Vereinbarung aller Beteiligten, müssen Bedingungen geschaffen werden, damit unser Ritus sich frei, voll und ganz und in Harmonie mit den anderen Riten entfalten kann. Es ist notwendig, dass alle Freimaurer ­ und was uns betrifft, die Rektifizierten Freimaurer ­ ohne Behinderung und Einschränkung diejenige spirituelle und persönliche Verwirklichung, die jeder frei gewählt hat, durchführen kann.
Der Weg unserer Verwirklichung ist der Rektifizierte Weg. Wir wollen ihn in seiner Vollständigkeit und in seiner Gesamtheit verfolgen können. Wir wollen nur das, aber das wollen wir alles.
Das ist der Sinn des gegenwärtigen Kampfes des Großpriorats von Gallien, den es im Glauben bis zu Ende führen wird.

Der Brief des Apostels Jakobus

Meine lieben Brüder, achtet es für eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet, und wisset, daß euer Glaube, wenn er rechtschaffen ist, Geduld wirkt. Die Geduld aber soll fest bleiben bis ans Ende, auf daß ihr seid vollkommen und ganz und keinen Mangel habet.
So aber unter euch jemand Weisheit mangelt, der bitte Gott, der da gibt einfältig jedermann und rücket's niemand auf, so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer da zweifelt, der ist gleich wie die Meereswoge, die vom Winde getrieben und geweht wird. Solcher Mensch denke nicht, daß er von dem Herrn etwas empfangen werde. Ein Zweifler ist unbeständig in allen seinen Wegen.
(1, 2-8)